Rezessive Erbgänge
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Rezessive Erbgänge: Einleitung

Rezessive Erbgänge: Wildtyp x Homozygot
Rezessive Erbgänge: Heterozygot x Heterozygot
Rezessive Erbgänge: Heterozygot x Wildtyp
Vor- und Nachteile rezessiver Mutationen: Hintergründe und Auswirkungen
Hets, Segen oder Fluch?
Warum sind Het Weibchen so viel teurer als Böcke?
Der lange Weg zum Ziel und was man nicht tun sollte, um ihn abzukürzen!
Rezessive Erbgänge: Einleitung
Rezessive Mutationen sind solche, bei denen ein mutiertes Allel das äußere Erscheinungsbild des Tieres (den Phänotyp) nur verändert, wenn es in der homozygoten Form vorliegt. Liegt es heterozygot vor, ist das Tier äußerlich normal, auch wenn es das Gen für z.B. Albino in sich trägt.
Nehmen wir als Beispiel einen Granit Teppichpython:

1_283_heHytiP8tP.jpg
Ein Granit Teppichpython- eine der begehrtesten Teppichpython Morphen überhaupt.

NN
Zweimal N deshalb, weil diese Information ja doppelt vorliegt.
Nun kommt die Mutation Granit (g) ins Spiel. Eines der N Allele mutiert zu g, dass sieht dann so aus:

 

Ng
Dieses Tier hat einmal die Information für Wildtyp und einmal für Granit. Wie sieht das Tier nun aus? Phänotypisch (äußerlich) ganz normal. Warum? Nun sagen wir der Einfachheit halber, Granit ist schwächer als Wildtyp und hat „nichts zu melden“ solange N noch da ist. N wird sich also immer gegenüber g im äußeren Erscheinungsbild durchsetzen. g ist also rezessiv und wird deshalb auch klein geschrieben.
Was ist dieses Tier nun genau? Es ist ein 100% heterozygotes Tier, in diesem Falle ein Het Granit. Phänotypisch ein ganz normales Tier, genotypisch trägt es jedoch das Granit Gen in sich, was man ihm äußerlich aber nicht ansieht.
Und wie sieht genotypisch nun ein Granit aus? Ganz einfach, so:

 

gg
Dies ist also ein Granit, geno- und phänotypisch. N ist bei diesem Tier nicht mehr vorhanden und kann somit das „schwächere“ Granit Gen nicht mehr unterdrücken. Das Tier ist dann ein Granit.

 

Nun kommen wir zum alles Entscheidenden, der Frage, wie man Granit Teppichpythons machen kann.
Wir wollen uns dazu eines einfachen Hilfsmittels bedienen, einem Schema, das Punnet Square genannt wird. In dieses wird die Erbinformation eines jeden Elterntieres so wie sie vorliegt eingetragen, nämlich doppelt.
Ein blankes Punnet Square sieht so aus:

1.gif

Ziemlich einfach, oder?

Nun nehmen wir einfach mal zwei normale Wildtyp Eltern und Tragen deren Allele oben und links auf. Wir erinnern uns, beide Wildtyp Eltern haben folgende Allele: NN

2.gif

Und nun? Ganz einfach, wir fahren mal kurz, die Temperatur runter, verringern den Lichtzyklus, setzen das Männchen zum Weibchen und lassen sie paaren…
Genetisch passiert dabei folgendes: Jedes einzelne Alle wird mit jedem einzelnen Allel des anderen Elterntieres kombiniert, so das wieder zwei Allele in jeder Nachzucht vorhanden sind. In der folgenden Grafik ist diese Kombination mit Hilfe der Pfeile dargestellt.

3.gif

Das fertige Produkt sieht dann so aus:

4.gif

Hier haben wir nun in den vier Kästchen des Punnet Sqaures symbolisch vier Nachkommen der Verpaarung. Alle vier Tiere sehen genetisch so aus:

NN

Wie wir oben gelernt haben, sind dies also vier Wildtyp Teppichpython Nachzuchten. Mit anderen Worten bedeutet dies, das aus einer Verpaarung von Wildtyp x Wildtyp wieder nur Wildtyp, also ganz normale Tiere schlüpfen.

1_284_SSoOe3s8Sr.jpg
Verpaarung eines Granit Teppichpythons

Nun mag man sich fragen, was passiert, wenn einmal 6 Tiere schlüpfen und nicht vier, wie in unserem Beispiel? Es sind immer noch alles Wildtyp Teppichpythons. Die vier symbolischen Nachkommen in den Punnet Squares sind also nur statistisch zu betrachten und können auf größere Gelege hochgerechnet werden.


Rezessive Erbgänge: Wildtyp x Homozygot
Wir bleiben bei dem Beispiel des rezessiven Erbgangs des Granit Teppichpythons. Ein Granit ist ein homozygotes Tier, da die gleichen Allele in zweifacher Kopie vorliegen. In diesem Falle also gg für Granit. Der Wildtyp sieht wie oben beschrieben so aus: NN
Nun nehmen wir also wieder unser Punnet Square und tragen die Allele der Eltern ein (NN gegen gg). Wir verpaaren also einen Granit mit einem Wildtyp Teppichpython.

5.gif

So sieht nun also das Punnet Square für die Verpaarung Granit (gg) x Wildtyp (NN) aus. Wie schon oben beschrieben kombinieren wir nun wieder jedes Allel eines Elterntieres mit allen Allelen des anderen. Hier also jedes einzelne g mit jedem einzelnen N.
Das sieht dann im Ergebnis so aus:

6.gif

Wieder stellt auch hier jedes Kästchen ein Nachkommen aus der Verpaarung Granit x Wildtyp dar. Wir haben also in diesem Falle 4 x Tiere mit der genetischen Information Ng erhalten. Und wie sehen diese Tiere nun aus? Wir erinnern uns, dass bei einem rezessiven Erbgang die rezessive Mutante deshalb klein geschrieben wird, weil sie in der Ausprägung dem Wildtyp unterlegen ist. Das bedeutet, dass all diese Tiere phänotypisch normal aussehen- ABER sie tragen das Granit Gen in sich und sind damit 100% heterozygot für Granit. Deshalb bezeichnet man Tiere aus einer solchen Verpaarung als definitive oder 100% Hets. Das Ergebnis lässt sich natürlich auch auf größere Gelege hochrechenen. Selbst wenn aus dieser Verpaarung 100 Jungtiere schlüpfen, sie alle wäre nach wie vor 100% Hets.

 

Merke: Homozygote x Wildtyp = 100% Hets

 

Nun wollen wir aber endlich mal Granits machen!


Rezessive Erbgänge: Heterozygot x Heterozygot
Wir können uns jetzt aus der oben beschriebenen Verpaarung Granit x Wildtyp ein Pärchen großziehen, also 1.1 Het Granits. Wir wollen diese Tiere verpaaren, also Heterozygot x Heterozygot, kurz auch Het x Het. Beide Tiere enthalten die genetische Information Ng.
Wie immer tragen wir jedes einzelne Allel eines jeden Elterntieres gegeneinander auf und kombinieren. Das Ergebnis sieht dann so aus:

7.gif

Das alles schaut auf den ersten Blick etwas verwirrend aus, deshalb „dröseln“ wir es mal ganz in Ruhe auf….wir haben 4 Tiere mit folgender genetischer Information:

 

1 Tier = gg
1 Tier = NN
2 Tiere = Ng


Ng kennen wir bereits, es sind 100% Hets. Davon haben wir also schon mal 2 Stück bzw. 50% des Wurfes sind Ng. Dann ist da noch ein Tier (25% des Wurfes) NN, ein ganz normaler Wildtyp. Und ein Tier gg….nanu, der hat ja gar kein N das das arme schwache g unterdrückt??? N unterdrückt g wie wir oben gelernt haben und wenn N nicht da ist, sondern nur g…..richtig dann haben wir einen Granit! Da ist er also der erste Granit Teppichpython!
Wir halten fest: 1 von 4 Tieren ist ein Granit, also 25% des Wurfes.
Und die anderen drei Tiere? Richtig die sehen ja alle normal wie ein Wildtyp aus. Wir hatten 1 echten Wildtyp (NN) und 2 Hets (Ng), äußerlich unterscheiden diese sich jedoch nicht. Wir haben also 3 Tiere und zwei davon sind Hets. Was bleibt übrig, wenn man äußerlich nicht erkennt, was denn nun der Het ist und was der Wildtyp ist? Eine Wahrscheinlichkeit:
2 von 3 Tieren sind Hets, macht also eine 66% Chance, dass jedes einzelne Tier ein Het ist. Diese Tiere werden deshalb als 66%Hets bezeichnet. Kauft man 3 von diesen Tieren, sollten rein statistisch 2 von den 3 auch echte Hets sein. Statistisch wohlgemerkt! Das bedeutet über eine sehr große Menge an Tieren gerechnet. Kauft man nur 3, kann es durchaus sein, dass überhaupt keiner dabei ist. Es kann aber auch sein, dass es alles Hets sind.

1_285_LsGIhAF1dR.jpg
Schlüpfender Granit Teppichpython

Merke: Het x Het = ¼ Granits und ¾ 66er Hets eines jeden Wurfes- rein statistisch!! Mit anderen Worten, wenn vier Eier im Gelege liegen, kann es auch sein, dass kein Granit dabei ist, oder aber gleich 3 Stück. Erst über eine große Anzahl von Tieren wird sich das Verhältnis auf ¼ zu ¾ angleichen.

 


Rezessive Erbgänge: Heterozygot x Wildtyp
Gut, wir haben nun also 100% Hets (auch kurz Hets genannt) und 66% Hets kennen gelernt. Fehlen nur noch die 50% Hets. Die entstehen bei einer Verpaarung aus Het x Wildtyp.
Das Ergebnis des Punnet Squares sieht so aus:

8.gif

Wir schreiben das Ergebnis wieder auf:

 

2 Tiere Ng
2 Tiere NN


Wir haben also zur Hälfte Wildtyp (NN) und zur Hälfte Hets. Beide sehen äußerlich jedoch gleich aus. Mit anderen Worten 1 von 2 ist statistisch ein Het! Unterscheidbar sind die zwei jedoch nicht, wir haben also eine 50%ige Chance, dass jedes der Tiere auch tatsächlich ein Het ist. Man nennt diese Tiere dann 50% Hets.
Merke: Het x Wildtyp = 50%Hets.


Vor- und Nachteile rezessiver Mutationen: Hintergründe und Auswirkungen


Hets, Segen oder Fluch?
Fangen wir ganz unten an, bei den 50% und 66% Hets. Hier hat man nichts weiter, als eine statistische Wahrscheinlichkeit, aber im Vergleich zu einem echten Het oder gar einem Granit eine Menge weniger Geld ausgegeben. Dafür hat man aber auch keine Garantie. Man sollte sich also genau beraten lassen, welche Kombination den einfachsten Weg darstellt!
Und definitive Hets? Nun auch diesen kann man ihre Gene nicht ansehen. Entsprechend kritisch sollte man also beim Kauf sein. Leider mehren sich die Fälle, in denen vor allem bei Python Regius oder Boa constrictor Hets verkauft wurden, die keine waren. Für großes Gelächter sorgen bei uns die immer noch angebotenen Het Farmzuchten von Python regius. Wie will man denn bitteschön garantieren, dass diese Tiere auch gezielt verpaart wurden und einer überprüften Genetik unterliegen???? Ein Fänger in Afrika, der ein trächtiges Weibchen aus dem Erdloch gräbt und ihre Eier ausbrütet wird wohl kaum wissen, ob der Vater nun ein Albino oder was auch immer war……
Interessant ist auch, dass derartige Tiere fast immer als 50% Hets oder 66% Hets angeboten werden. So kann sich der Verkäufer dann später immer fein herausreden, dass man ja nur eine statistische Chance gekauft hat!


Warum sind Het Weibchen so viel teurer als Böcke?
Die Antwort ist ganz einfach: Sie sind eben wesentlich mehr wert! Mit einem einzelnen Het Bock, kann man problemlos 3-4 Het Weibchen pro Saison verpaaren. Überspitzt formuliert bedeutet dies, dass jeder nur 3-4 Böcke braucht und dafür eine ganze Armee von Weibchen. Deshalb sind Weibchen so viel wertvoller, da sie der Schlüssel zur Verpaarung sind. Hinzu kommt noch die Tatsache, dass das Geschlechtsverhältnis teilweise weit auf der Seite der Männchen liegt.


Der lange Weg zum Ziel und was man nicht tun sollte, um ihn abzukürzen!
Verpaart man zwei Het Granits untereinander, so ist nur jeder 4. der Nachkommen ein Granit. Das ist nicht gerade viel und man braucht schon einige Jahre, um sich mehrere dieser Tiere zu züchten. Dies ist übrigens auch der Grund dafür, dass rezessive Mutationen nur sehr langsam im Preis sinken. Schlecht für all diejenigen, die auf günstigere Preise warten, gut für die, die bereits ein Zuchtprojekt ihr Eigen nennen.
Natürlich gibt es eine ganz einfache Möglichkeit, wesentlich mehr homozygote Tiere zu züchten. In diesem Falle durch die Verpaarung zweier homozygoter Tiere, also beispielsweise von Granit x Granit. Dann sind alle Nachkommen wiederum Granits. Die Vergangenheit hat jedoch bei anderen Riesenschlangen wie zum Beispiel Boa constrictor und Python molorus gezeigt, das durch zu starke Inzucht bei der Farbzucht gesundheitliche Probleme auftreten können. So tauchen zum Beispiel immer wieder einäugige Albinoboas auf. Ursache ist nicht die Inzucht an sich. Inzucht über mehrere Generationen ist bei Pythons kein Problem. Die Gründe liegen in der Mutation selber. Dass, was uns als sichtbares Merkmal einer Mutation erscheint, ist nur die Spitze des Eisberges. Ein Albino hat zum Beispiel keine schwarzen Pigmente. Darüber hinaus sind an die „Albino Mutation“ jedoch in aller Regel noch zahlreiche weitere Mutationen gekoppelt, die äußerlich nicht erkennbar sind. Verpaart man nun Albino x Albino, so kann es durchaus sein, dass diese weiteren unsichtbaren Mutationen ausgeprägt werden und zu schwachen, missgebildeten Tieren führen. Noch ist dies weder bei den Mutationen von Teppichpythons noch bei Python regius der Fall. Man sollte also aus der Vergangenheit lernen und verantwortungsvoll handeln. Dies bedeutet im Klartext, dass Verpaarungen von Homozygoten Mutationen rezessiver Erbgänge (z.B. Albino x Albino) unterlassen werden sollten, genauso wie der Kauf von Nachkommen aus derartigen Verpaarungen. Wenn schon, dann sollte man unbedingt auf einen sehr geringen Verwandtschaftsgrad achten. Der Stammbaum der Tiere sollte sich dabei nach Möglichkeit schon vor mindestens zwei Generationen getrennt haben. Es muss nicht sein, dass eines Tages auch einäugige Albino Python regius mit Knickschwänzen existieren!
Für alle Unverbesserlichen mit dem großen Dollarzeichen auf den Augen: Denken Sie einmal kurz darüber nach, was mit ihrem guten Ruf passiert, wenn sich eines Tages herausstellt, dass Ihre verkauften Nachzuchten nur verkrüppelte Tiere produzieren....

 


Dieser Bericht wurde uns freundlicherweise von den Verfassern Oliver Vaes und Sören Panse von Precision Reptiles zur Verfügung gestellt.
 


 

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